Archive for the 'print' Category

Internethauptstadt, oder so.

Karlsruhe InternethauptstadtHm. Meine liebe Universitätsstadt Karlsruhe schmückte sich ja schon im Jahr 2003 mit dem Titel “Internethauptstadt” und lässt nicht locker, wann immer es sich bietet seine Vorreiterrolle zu betonen…

Wenn man sich dagegen die Webseite des Karlsruhe Stadtmarketings so anschaut, graut es einem kommt man schon ins Grübeln, ob das so stimmen kann — und das schon seit längerem. Dort hat man wenigstens die gröbsten Verstöße gegen jede Barrierefreiheit zwischenzeitlich entfernt, die Seite ist aber, mit Verlaub, nun wirklich noch immer selten schön: Nicht schön, aber selten…

Dass ich heute trotzdem enttäuscht war, auf der News-Seite der Stadt Karlsruhe keinen RSS-Feed zu finden, wundert mich selbst ein wenig. Eigentlich hätte ich es ja ahnen müssen.

Weltsicht, leicht gemacht

“Spire Christian Comics” ist eine amerikanische, christliche Comicbuchserie. Die Bücher strotzen nur so vor christlich-puritanischer Romantik, gepaart mit tief-amerikanischem Patriotismus.

Aus dem Buch “Hansi — the Girl Who Loved the Swastika”, in dem Hansi, Bauerstochter aus dem Sudetenland, vom Glauben abfällt und für das Dritte Reich kämpft, und erst über Umwege nach Amerika kommt, wo sie merkt wie “böse die Russen und wie gut die Amerikaner doch sind”:

Hansi and the American Soldiers

Hansi in America

Es geht doch nichts über einfache Weltbilder. ;)
Link zu den gescannten Comics. (via bb)

Persönliche Daten für sechs Cent

Heute lag eine Marketing-Umfrage der Deutschen Post AG im Briefkasten. Der Fragebogen befasst sich mit den persönlichen Vorlieben der Einsender hinsichtlich Autos. Als “Gegenleistung” werden 500 mal 50 Euro in Aral-Tankgutscheinen verlost:

Post-Umfrage Autos

Da es sich ja um persönliche Daten handelt, die wir hier “verkaufen”, rechnen wir doch einfach mal etwas nach.
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Zunehmen leicht gemacht

Lustige Anzeige aus den 30er Jahren, für Frauen, die mit ihrem Gewicht unzufrieden sind und unbedingt zunehmen möchten…:

Naturally Skinny

Ein bisschen surreal, wenn man sich die Zeitungen heute so ansieht, die eigentlich alle nur von Diäten schreiben ;)
Vielleicht sollte man dieses Zeug aber mal wiederbeleben und an diverse Hollywood-Stars schicken. Am Wochenende habe ich Pirates of the Caribbean: At World’s End (ja, auf englisch) gesehen, und dort gab Keira Knightley einen ziemlichen Strich auf der Leinwand ab — obwohl das bei ihr ganz natürlich sei, sagt sie… äh, ja.

(via bb)

Onion: Idaho erklärt Englisch zur einzigen Sprache, die sie kennen

Die armen Idahoans: In Amerika gelten sie (wohl zu Unrecht) als ausgemachte Hinterwäldler und sind dem Rest des Landes immer für einen Scherz gut. So schreibt die Satirezeitung “The Onion”:

ID—The Idaho Legislature passed a unanimous resolution Monday declaring English the only language the elected assembly knows how to speak, write, or understand.
(…)
The legislature is expected to pass a separate resolution later this week officially declaring out-of-towners “suspicious.”

Dabei sagen meine geheimen Idahoischen Quellen: “Wie gemein — und überhaupt, die Gesetzgebungsperiode ist doch schon lang wieder vorbei…”

Boise State Capitol

Blow, Flow

Gestern sah ich in der Verbandszeitung (der “Blasmusiker”) des lokalen Blasmusikverbands eine Anzeige für einen Fotowettbewerb (junge Musiker sollen Fotos vom Musikmachen einschicken).

Das ganze steht unter dem schmerzhaft “denglischen” Motto:

Durch Blow zum Flow
Durch Blow zum Flow

Und es kommt wie es kommen musste, wenn man mit sinnarmen Anglizismen um sich wirft: Schade, dass “Blow” zufällig ein landläufiger Slang-Ausdruck für Kokain ist, was das Motto dann doch ein bisschen absurd aussehen lässt…

“Unfassbar”

Ein Rumoren ist durch die deutsche “Blogosphäre” gegangen, weil “Bild”-Kolumnist Franz Josef Wagner Folgendes (adressiert an die Ex-Terroristin Mohnhaupt) schrieb:

Es ist unfassbar, dass eine Mörderin in unserem Land die Chance hat, glücklich zu werden.

Und wenige Tage später gleich nochmal:

Ihr Anwalt kann mir tausend Briefe schreiben – niemals werde ich zurücknehmen, was ich vorgestern geschrieben habe: „Es ist für mich unfassbar, dass in unserem Land eine Mörderin die Chance hat, glücklich zu werden.“ Das bleibt so.

Ich kann die Aufregung verstehen. Im Usenet würde man Wagner nach diesen Aussagen einen Troll nennen, und warten bis er die Lust verliert und Heim geht. Im IRC (Chat) würde man ihn aus dem Channel verbannen. Doch leider schreibt Wagner nicht in einem Usenet-Forum über das Paarungsverhalten des Zwergkaninchens, sondern in Deutschlands größter Tageszeitung. Und obwohl ich mir fast sicher bin, dass er sich an den Reaktionen der Öffentlichkeit weidet, will ich ihm antworten:

Lieber Herr Wagner, ihre Ignoranz widert mich an. Und, offen gestanden stimmt es mich traurig, dass wir es in fast 60 Jahren Grundgesetz nicht geschafft haben, dass Leute wie Sie unsere Verfassung inhaltlich verstehen.

Dass es mit Ihrer Bekenntnis zu den Unternehmensgrundsätzen Ihres Arbeitgebers und damit zur “freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland” nicht weit her sein kann, hat man ja bereits anderswo vermutet. Und dass Sie mit Ihren Stammtischparolen möglicherweise Wasser auf die Mühlen erklärter Verfassungsfeinde geben, soviel Einsicht erwarte ich gar nicht von Ihnen, wenn Sie schon sonst nicht die Mühe machen, weiter als von jetzt bis nachher zu denken.

Widmen Sie sich doch besser wieder flachen Wortwitzen über Eier, das können Sie wenigstens. Und, ach ja, auch Ihnen schöne Ostern, Herr Wagner.