Archive for the 'thoughts' Category

Statistik mit Stifti

Als ich gestern dieses Flugblatt gesehen habe:

… dachte ich: Wieviel beliebter könnten eigentlich Statstikvorlesungen sein, wenn man sie Statistik mit Stifti taufen würde? Spiel, Spaß und Spannung in einem! Abenteuer im Zahlenraum zwischen 0 und 1!

Kein Wunder, dass die Vorlesungen einen eher schlechten Ruf haben. Alles eine Frage des Marketings.

Mehr Abbrecher unter den Bachelor-Studenten?

Einer der Gründe, warum man die Uni-Ausbildungen hierzulande komplett auf das Bachelor/Master-System umgestellt hat (“Bologna-Prozess”), waren die als zu hoch empfundenen Abbrecherquoten im Diplom-System. Dass das offenbar von nur mäßigem Erfolg gekrönt war, zeigt eine neue Studie:

Die neu eingeführten und gestrafften Bachelorstudiengänge sollten diese Zahl verringern – doch das Gegenteil ist der Fall. Das geht aus einer Studie des Hochschul-Informations-Systems hervor, die der Wochenzeitung “Zeit” vorliegt. Demnach bricht an Universitäten jeder vierte Bachelorstudent sein Studium ab, an Fachhochschulen ist es sogar mehr als jeder dritte.

(tagesschau.de: Höhere Abbrecherquote unter Bachelor-Studenten)

Als ein möglicher Grund dafür wird genannt, dass man teilweise denselben Stoff schlicht in eine kürzere Zeitspanne gestopft hat: “So seien bei den Ingenieurswissenschaften zwar die Studienzeiten verkürzt worden, die Stoffmenge habe man jedoch nicht reduziert, sagte Ulrich Heublein, der Leiter der Studie.”

Ich selbst habe mir auch schon am Rande angesehen, was sich bei meinem Studiengang beim Übergang vom Diplom zum Bachelor/Master getan hat und ich war erstaunt zu sehen, dass an vielen Stellen schlicht nur die Diplomvorlesungen in einer anderen Reihenfolge kombiniert wurden, aber inhaltlich wie zeitlich dieselben geblieben sind.

Das ist ein Problem, das man bereits aus dem Diplom mitgeschleppt hat: Ich zum Beispiel hatte nur wenige Vorlesungen, deren Inhalt in die zur Verfügung stehende Zeit gepasst hätte: Viel häufiger waren beispielsweise 3-Semesterwochenstunden (SWS)-Vorlesungen, die eigentlich auf 4 ausgelegt waren. Um den Stoff dennoch behandeln zu können, wurde dann einfach an den Beispielen gespart, oder in den Übungen schlicht neuer Vorlesungsstoff vermittelt. Das absurdeste waren jedoch die Vorlesungen, die wir mit einem anderen Studiengang zusammen hatten, die für jene mit 4 SWS, für uns aber nur mit 3 SWS bewertet wurden. Der Effekt: Wir erhielten eine 3-Viertel so lange Klausurzeit (60 statt 80 Minuten), mussten aber selbstredend denselben Stoff gelernt haben, da man ja nicht vorher weiß, was drankommt.

Hinzu kommt, dass auch die Regelstudienzeit (bei mir: 9 Semester) denkbar knapp bemessen ist, wenn man bspw. betrachtet, dass mindestens ein Pflichtpraktikum von mindestens 3 Monaten Länge abgeleistet werden soll: Das kommt nämlich im Semesterplan gar nicht vor — im Prüfungsleitfaden heißt es dazu lapidar, das Praktikum könne an beliebiger Stelle im Studium abgeleistet werden, vorzugsweise im Hauptstudium. Ein Urlaubssemester gibt es dazu freilich ebenfalls nicht: es sei ja schließlich in der Studienzeit inbegriffen. Wie das praktisch erreichbar ist, wenn man betrachtet, dass die Karlsruher Klausuren komplett willkürlich quer über die vorlesungsfreie Zeit verteilt sind, sagt keiner.

Im Effekt nehmen die Studenten entweder (wie ich) eine längere Studienzeit in Kauf, oder sie leisten ihre Praktika innerhalb der Vorlesungszeit ab, und lernen schließlich aus dem Buch auf Klausuren, ohne jemals eine Vorlesung des Dozenten besucht zu haben. Beides kann meines Erachtens nicht Teil eines von den Machern gut durchdachten Studienplans sein.

Alles in allem wundern mich die hohen Abbrecherquoten bei den neuen Bachelor-Studiengängen also wenig: Solange man die Studienpläne nicht auf ein Maß kürzt, das realistisch zu bewältigen ist (auch auf die Gefahr hin, dass die Studenten am Schluss nicht mehr vom Bäcker bis zum Jetpiloten von allem eine Ahnung haben), solange bleibt es ein nur halbherziger Versuch, durch die rein formelle Kürzung der Gesamt-Studienzeit die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Studenten zu verbessern. Obwohl diese in meiner Erfahrung beileibe nicht so schlecht ist, wie sie von manchem hierzulande geredet wird.

Dabei wäre natürlich schade, dass ein Stück universitäres Bildungsideal verloren ginge (Universalbildung vs. reine Berufsausbildung), aber einen Ausweg, um das Volumen an Universalwissen doch noch vermitteln zu können, hat der Bologna-Prozess eigentlich schon selbst im Gepäck: Es ist nämlich ein drei-, nicht zweigliedriges System, entgegen der gegenwärtigen Umsetzung in Deutschland: Das angelsächsische Vorbild sieht nach dem Master einen PhD vor, also einen Doktortitel, der im Gegensatz zu seinem deutschen Äquivalent nicht wahlweise quasi-obligatorisch (ich denke an euch, Biologen, Chemiker und Ärzte) oder elitäre Tür zur reinen Forschungs-Karriere ist. Stattdessen wird der PhD dort als Spezialisierung und Zusatzqualifikation verstanden, was auch damit konsistent ist, dass der Amerikanische PhD-Student Vorlesungen besuchen muss, was einem deutschen Doktoranden kaum in den Sinn käme.

Wir dürfen gespannt sein, wie (ob) man in der deutschen Unilandschaft dem Problem begegnet: Die universitären Mühlen mahlen ja bekanntlich langsam, aber vielleicht sind sie ja in diesem Fall für eine Überraschung gut.

Fachkräftemangel: Selbst verschuldetes Leid

Heute morgen habe ich einen interessanten kleinen Kommentar zum Fachkräftemangel in der deutschen IT-Branche gelesen:

Ein Drittel der IT-Unternehmen kann seine freien Stellen nicht besetzen und ruft durch die Kehlen der Verbände nach der Politik. (…) Das Leid ist selbst verschuldet.

Nach der Dotcom-Blase ließe man “(d)as bisschen Code” “nur noch in Indien produzieren”.

Dass die Unternehmen ihre Hausaufgaben bei der Ressource IT-Mensch weiterhin nicht machen, ist leicht an den Einstiegsgehältern abzulesen.

Trotz der bejammerten Knappheit bekommt ein frischer IT-Hochschulabsolvent weniger Kohle als vor Jahren.

Das erwartete Einstiegs-Branchengehalt lag “2007 mit 42 600 Euro pro Jahr zwar 800 Euro über dem von 2006″. Doch 2004 gab es “mit 43 900 Euro noch deutlich mehr”.

Jan Kleinert, Chefredakteur des deutschen Linux-Magazins, im Editorial der Ausgabe 2/08.

Dichter nein, Denker schon

Wie es aussieht, gehören Chemie und Physik in diesen Tagen zu den “deutschen Tugenden”, während man das Dichten mehr den Briten überlassen sollte.

Auch vor dem Hintergrund des “Fachkräftemangels” scheint Ingenieur werden also in Deutschland Zukunft zu haben.

Oder Papst, natürlich.

(Da mir das aber kaum offen stand, muss ich wohl oder übel Ingenieur werden.)

VWL ex

Sodele, auch die letzte VWL-Klausur ist rum.

“Das war ja einfach!” könnte ich jetzt schamlos lügen.

VWL minus 1

Oh, gerade stelle ich fest, dass die Klausur, die ich vor ein paar Stunden geschrieben habe, meine vorletzte Ökonomik-Klausur überhaupt war.

Na das ist ja ein Licht am Ende des Tunnels :)

Die letzte folgt übrigens… — in eineinhalb Stunden. Wer wohl auf die brillante Idee gekommen ist, die Dinger auf denselben Tag zu legen?

Nationalhymne mit Untertiteln

Vor dem heutigen Endspiel der Frauenfußball-Weltmeisterschaft (Deutschland-Brasilien) wurden wie üblich die Hymnen der beiden Staaten gesungen.

In der Vergangenheit hatte es dabei ja bisweilen Textunsicherheiten gegeben, denen das ZDF heute in weiser Voraussicht mit Videotext-Untertiteln vorzubeugen versucht hat:
Hymne mit Untertiteln

Das ist zwar für die eigene Hymne vielleicht ein bisschen seltsam — aber als zur brasilianischen Hymne gleich die deutsche Übersetzung mitgeliefert wurde, fand ich das eigentlich ziemlich gut.