Archive for the 'deutsch' Category

Statistik mit Stifti

Als ich gestern dieses Flugblatt gesehen habe:

… dachte ich: Wieviel beliebter könnten eigentlich Statstikvorlesungen sein, wenn man sie Statistik mit Stifti taufen würde? Spiel, Spaß und Spannung in einem! Abenteuer im Zahlenraum zwischen 0 und 1!

Kein Wunder, dass die Vorlesungen einen eher schlechten Ruf haben. Alles eine Frage des Marketings.

Liebe Klaus-Dieter und Klaus-Dieter-innen

Liebe Uni Karlsruhe,

wenn man bei einem Studentenausweis-Symbolfoto den Namen ändert, sollte man eventuell auch das Portraitfoto anpassen.

Fricard: Klaus-Dieter

Bevor dieses nette Mädchen nämlich zu einem “Klaus-Dieter” umgetauft wurde, hieß sie einmal “Eva-Maria”. Vielleicht war es ihr Bruder, oder ihr Ehemann? Der Nachname war nämlich gleich, wenn ich mich recht erinnere :)

Mehr Abbrecher unter den Bachelor-Studenten?

Einer der Gründe, warum man die Uni-Ausbildungen hierzulande komplett auf das Bachelor/Master-System umgestellt hat (“Bologna-Prozess”), waren die als zu hoch empfundenen Abbrecherquoten im Diplom-System. Dass das offenbar von nur mäßigem Erfolg gekrönt war, zeigt eine neue Studie:

Die neu eingeführten und gestrafften Bachelorstudiengänge sollten diese Zahl verringern – doch das Gegenteil ist der Fall. Das geht aus einer Studie des Hochschul-Informations-Systems hervor, die der Wochenzeitung “Zeit” vorliegt. Demnach bricht an Universitäten jeder vierte Bachelorstudent sein Studium ab, an Fachhochschulen ist es sogar mehr als jeder dritte.

(tagesschau.de: Höhere Abbrecherquote unter Bachelor-Studenten)

Als ein möglicher Grund dafür wird genannt, dass man teilweise denselben Stoff schlicht in eine kürzere Zeitspanne gestopft hat: “So seien bei den Ingenieurswissenschaften zwar die Studienzeiten verkürzt worden, die Stoffmenge habe man jedoch nicht reduziert, sagte Ulrich Heublein, der Leiter der Studie.”

Ich selbst habe mir auch schon am Rande angesehen, was sich bei meinem Studiengang beim Übergang vom Diplom zum Bachelor/Master getan hat und ich war erstaunt zu sehen, dass an vielen Stellen schlicht nur die Diplomvorlesungen in einer anderen Reihenfolge kombiniert wurden, aber inhaltlich wie zeitlich dieselben geblieben sind.

Das ist ein Problem, das man bereits aus dem Diplom mitgeschleppt hat: Ich zum Beispiel hatte nur wenige Vorlesungen, deren Inhalt in die zur Verfügung stehende Zeit gepasst hätte: Viel häufiger waren beispielsweise 3-Semesterwochenstunden (SWS)-Vorlesungen, die eigentlich auf 4 ausgelegt waren. Um den Stoff dennoch behandeln zu können, wurde dann einfach an den Beispielen gespart, oder in den Übungen schlicht neuer Vorlesungsstoff vermittelt. Das absurdeste waren jedoch die Vorlesungen, die wir mit einem anderen Studiengang zusammen hatten, die für jene mit 4 SWS, für uns aber nur mit 3 SWS bewertet wurden. Der Effekt: Wir erhielten eine 3-Viertel so lange Klausurzeit (60 statt 80 Minuten), mussten aber selbstredend denselben Stoff gelernt haben, da man ja nicht vorher weiß, was drankommt.

Hinzu kommt, dass auch die Regelstudienzeit (bei mir: 9 Semester) denkbar knapp bemessen ist, wenn man bspw. betrachtet, dass mindestens ein Pflichtpraktikum von mindestens 3 Monaten Länge abgeleistet werden soll: Das kommt nämlich im Semesterplan gar nicht vor — im Prüfungsleitfaden heißt es dazu lapidar, das Praktikum könne an beliebiger Stelle im Studium abgeleistet werden, vorzugsweise im Hauptstudium. Ein Urlaubssemester gibt es dazu freilich ebenfalls nicht: es sei ja schließlich in der Studienzeit inbegriffen. Wie das praktisch erreichbar ist, wenn man betrachtet, dass die Karlsruher Klausuren komplett willkürlich quer über die vorlesungsfreie Zeit verteilt sind, sagt keiner.

Im Effekt nehmen die Studenten entweder (wie ich) eine längere Studienzeit in Kauf, oder sie leisten ihre Praktika innerhalb der Vorlesungszeit ab, und lernen schließlich aus dem Buch auf Klausuren, ohne jemals eine Vorlesung des Dozenten besucht zu haben. Beides kann meines Erachtens nicht Teil eines von den Machern gut durchdachten Studienplans sein.

Alles in allem wundern mich die hohen Abbrecherquoten bei den neuen Bachelor-Studiengängen also wenig: Solange man die Studienpläne nicht auf ein Maß kürzt, das realistisch zu bewältigen ist (auch auf die Gefahr hin, dass die Studenten am Schluss nicht mehr vom Bäcker bis zum Jetpiloten von allem eine Ahnung haben), solange bleibt es ein nur halbherziger Versuch, durch die rein formelle Kürzung der Gesamt-Studienzeit die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Studenten zu verbessern. Obwohl diese in meiner Erfahrung beileibe nicht so schlecht ist, wie sie von manchem hierzulande geredet wird.

Dabei wäre natürlich schade, dass ein Stück universitäres Bildungsideal verloren ginge (Universalbildung vs. reine Berufsausbildung), aber einen Ausweg, um das Volumen an Universalwissen doch noch vermitteln zu können, hat der Bologna-Prozess eigentlich schon selbst im Gepäck: Es ist nämlich ein drei-, nicht zweigliedriges System, entgegen der gegenwärtigen Umsetzung in Deutschland: Das angelsächsische Vorbild sieht nach dem Master einen PhD vor, also einen Doktortitel, der im Gegensatz zu seinem deutschen Äquivalent nicht wahlweise quasi-obligatorisch (ich denke an euch, Biologen, Chemiker und Ärzte) oder elitäre Tür zur reinen Forschungs-Karriere ist. Stattdessen wird der PhD dort als Spezialisierung und Zusatzqualifikation verstanden, was auch damit konsistent ist, dass der Amerikanische PhD-Student Vorlesungen besuchen muss, was einem deutschen Doktoranden kaum in den Sinn käme.

Wir dürfen gespannt sein, wie (ob) man in der deutschen Unilandschaft dem Problem begegnet: Die universitären Mühlen mahlen ja bekanntlich langsam, aber vielleicht sind sie ja in diesem Fall für eine Überraschung gut.

Wireless-Elite

Jeden Tag dasselbe Spiel hier an der Uni Karlsruhe: Wenn man um die Mittagszeit in die neue Unibibliothek geht, ist der ganze Laden ziemlich voll (da sag noch mal einer, voller Bauch studiert nicht gern). Wenn man einen Platz gefunden hat, sein Laptop aufbaut, und sich mit dem Wireless-Netz verbinden möchte… Pech gehabt.

Von den zahlreichen verfügbaren Wireless-Netzwerken (verschlüsselt, unverschlüsselt, und so weiter) funktioniert kein einziges: Mal ist die Signalstärke null, aber noch deutlich häufiger scheitert das Unterfangen daran, dass der Versuch, eine IP-Adresse per DHCP zu bekommen, nicht beantwortet wird. Das Betriebssystem schmollt und gibt sich statt dessen selbst eine “private” — und damit ziemlich unnütze — Adresse. Viele Studenten helfen sich ab, indem sie ein Netzwerkkabel mitbringen: Denn das Kabel-Netzwerk funktioniert manchmal besser, manchmal aber auch nicht.

Rechenzentrum der Uni KA
So sieht es im Rechenzentrum aus, wenn es funktioniert ;)

Als Grund für die Misere kommt wahrscheinlich eine Überlastung in Frage: Entweder verbinden sich zu viele Leute auf denselben Wireless-Access-Point, sodass dieser an seine Grenzen stößt, oder der DHCP-Server hat keine freien Adressen mehr, die er aushändigen könnte.

Nicht immer kann aber eine Überlastung schuld sein: Egal zu welcher Tageszeit gibt es freilich Orte, an denen sich das Aufklappen des Laptops gar nicht erst lohnt: Geht man etwa im 1. Obergeschoss zur Fensterfront an der Adenauerallee, sind die dortigen Arbeitsplätze komplett ohne Wireless-Signal; erst wenn man sich stattdessen an einen Platz weiter im Gebäudeinneren setzt, kann man sich mit einem Netzwerk verbinden. Wahrscheinlich hat man bei der Netzwerk-Planung die Reichweite der Wireless-Signale in einem Gebäude, das komplett aus Beton besteht, weit überschätzt.

Es erscheint unklar, warum gegen dieses Problem nichts getan wird. Dass bei einem Gebäude, das angeblich 13 Millionen Euro gekostet hat, nicht genügend Geld vorhanden war, um ausreichend Access-Points anzubringen, scheint jedenfalls kaum möglich.

Und was die IP-Adressen angeht, sind die DHCP-Probleme ein seit Jahren bekanntes Problem, gegen das, zumindest meinem subjektiven Eindruck nach, noch nie etwas getan wurde. Zugegeben (und man verzeihe mir den flachen Spruch), IPv4-Adressen wachsen ja nicht auf Bäumen. Aber man könnte ja zum Beispiel der Bibliothek einen ausreichend großen, privaten, Adressbereich zuweisen, statt dort globale IP-Adressen auszuhändigen — zumal der Zugriff von außen durch die Campus-Firewall ohnehin sehr stark eingeschränkt ist. Im Laufe meiner Studentenzeit (also seit etwa 5 Jahren) habe ich in dieser Richtung schon ein paarmal beim Rechenzentrum nachgefragt: Schade, dass ich nie eine Antwort erhielt.

CSI Miami IP-Adresse
Keine Adresse (Unibibliothek), oder eine (ungültige) wie diese (Fernsehshow “CSI Miami”) — sie sind beide etwa gleich sinnvoll (oder -los).

Es drängt sich die Frage auf, wie elitär eine “Elite-Uni” sein kann, die sich zu den besten in Deutschland zählt (und das insbesondere im Bereich der Informatik), aber es offensichtlich nicht schafft, das drahtlose Netzwerk auf dem Campus mit einer ausreichenden Service-Qualität (und mit überhaupt irgendwelchen Leistungsreserven) zur Verfügung zu stellen.

Durch die nun großflächig genommenen Studiengebühren wird das Problem freilich nicht besser: Das (zugegeben, von der Politik) selbstgewählte Los der Universitäten als Service-Einrichtungen wird es um so wichtiger, Dienste, die im 21. Jahrhundert zum Rückgrat eines modernen Studiums gehören, qualitativ hochwertig und dauerhaft zur Verfügung zu stellen (und in ausreichender Menge, dass sie von der stetig wachsenden Studentenzahl problemlos benutzt werden kann).

Ein gutes Haar möchte ich aber dennoch an der Uni lassen: Die von den Informatikern (Abteilung technische Infrastruktur) zur Verfügung gestellten Services (ja, auch das Wireless-Netzwerk im Informatik-Hauptgebäude) funktionieren mittlerweile vorbildlich. Auch Anfragen/Bug Reports an den dortigen Studentensupport wurden in jüngster Zeit schnell, kompetent und freundlich beantwortet. Es gibt also noch Hoffnung :)

PS: Diesen Artikel habe ich schon seit ein paar Wochen vorbereitet — und nur falls der Eindruck aufkam, das Problem bestehe nicht fort: Heute, am “heiligen Faschnachtsdienstag”, kurz bevor die Narren draußen an der Adenauerallee vorbeizogen, war es wieder so weit: Zuerst wurden keine Wireless-Netzwerke gefunden, dann ging die Verbindung nicht. Also eigentlich alles wie immer.

Das Loch im eisernen Vorhang

tagesschau.de hat einen interessanten Artikel über das Tourismusgebiet Kumgang in Nordkorea, wo Südkoreaner Urlaub in den Bergen des eigentlich verfeindeten Nachbarn machen können.

Streng abgeschottet von der Zivilbevölkerung, natürlich.

Fachkräftemangel: Selbst verschuldetes Leid

Heute morgen habe ich einen interessanten kleinen Kommentar zum Fachkräftemangel in der deutschen IT-Branche gelesen:

Ein Drittel der IT-Unternehmen kann seine freien Stellen nicht besetzen und ruft durch die Kehlen der Verbände nach der Politik. (…) Das Leid ist selbst verschuldet.

Nach der Dotcom-Blase ließe man “(d)as bisschen Code” “nur noch in Indien produzieren”.

Dass die Unternehmen ihre Hausaufgaben bei der Ressource IT-Mensch weiterhin nicht machen, ist leicht an den Einstiegsgehältern abzulesen.

Trotz der bejammerten Knappheit bekommt ein frischer IT-Hochschulabsolvent weniger Kohle als vor Jahren.

Das erwartete Einstiegs-Branchengehalt lag “2007 mit 42 600 Euro pro Jahr zwar 800 Euro über dem von 2006″. Doch 2004 gab es “mit 43 900 Euro noch deutlich mehr”.

Jan Kleinert, Chefredakteur des deutschen Linux-Magazins, im Editorial der Ausgabe 2/08.

Sohnemann

Heute rief eine Frau im Auftrag eines großen deutschen Autobauers an.

Das Gespräch lief in etwa so:

Anruferin: Hallo, mein Name ist Valentina Winter (Name geändert) von (Name der Firma). Kann ich mit der Dame des Hauses sprechen?

Ich: Die ist bei der Arbeit; kann ich was ausrichten?

V.W.: Spreche ich mit dem Ehemann oder dem Sohnemann?

Ich: Mit ihrem Sohn.

V.W.: Wann kommt die Mama denn wieder?

Ich: Das kann Ihnen der Sohnemann nicht sagen. Da müssen Sie nochmal anrufen. Auf wiederhör’n.

Sprachs und legte auf…

Lieber großer Autobauer. Ich weiß ja nicht, was ihr euren Callcenter-Mitarbeitern so beibringt. Aber bei einem bin ich mir ziemlich sicher: Einen mittzwanziger “Sohnemann” nach seiner “Mama” zu fragen ist nicht gerade eine Strategie, die die Seriösität Ihres Unternehmens unterstreicht.

Den unbändigen Wunsch, eines Ihrer Autos zu kaufen, hat das jedenfalls nicht in mir hervorgerufen.