Archive for February 17th, 2008

Mehr Abbrecher unter den Bachelor-Studenten?

Einer der Gründe, warum man die Uni-Ausbildungen hierzulande komplett auf das Bachelor/Master-System umgestellt hat (“Bologna-Prozess”), waren die als zu hoch empfundenen Abbrecherquoten im Diplom-System. Dass das offenbar von nur mäßigem Erfolg gekrönt war, zeigt eine neue Studie:

Die neu eingeführten und gestrafften Bachelorstudiengänge sollten diese Zahl verringern – doch das Gegenteil ist der Fall. Das geht aus einer Studie des Hochschul-Informations-Systems hervor, die der Wochenzeitung “Zeit” vorliegt. Demnach bricht an Universitäten jeder vierte Bachelorstudent sein Studium ab, an Fachhochschulen ist es sogar mehr als jeder dritte.

(tagesschau.de: Höhere Abbrecherquote unter Bachelor-Studenten)

Als ein möglicher Grund dafür wird genannt, dass man teilweise denselben Stoff schlicht in eine kürzere Zeitspanne gestopft hat: “So seien bei den Ingenieurswissenschaften zwar die Studienzeiten verkürzt worden, die Stoffmenge habe man jedoch nicht reduziert, sagte Ulrich Heublein, der Leiter der Studie.”

Ich selbst habe mir auch schon am Rande angesehen, was sich bei meinem Studiengang beim Übergang vom Diplom zum Bachelor/Master getan hat und ich war erstaunt zu sehen, dass an vielen Stellen schlicht nur die Diplomvorlesungen in einer anderen Reihenfolge kombiniert wurden, aber inhaltlich wie zeitlich dieselben geblieben sind.

Das ist ein Problem, das man bereits aus dem Diplom mitgeschleppt hat: Ich zum Beispiel hatte nur wenige Vorlesungen, deren Inhalt in die zur Verfügung stehende Zeit gepasst hätte: Viel häufiger waren beispielsweise 3-Semesterwochenstunden (SWS)-Vorlesungen, die eigentlich auf 4 ausgelegt waren. Um den Stoff dennoch behandeln zu können, wurde dann einfach an den Beispielen gespart, oder in den Übungen schlicht neuer Vorlesungsstoff vermittelt. Das absurdeste waren jedoch die Vorlesungen, die wir mit einem anderen Studiengang zusammen hatten, die für jene mit 4 SWS, für uns aber nur mit 3 SWS bewertet wurden. Der Effekt: Wir erhielten eine 3-Viertel so lange Klausurzeit (60 statt 80 Minuten), mussten aber selbstredend denselben Stoff gelernt haben, da man ja nicht vorher weiß, was drankommt.

Hinzu kommt, dass auch die Regelstudienzeit (bei mir: 9 Semester) denkbar knapp bemessen ist, wenn man bspw. betrachtet, dass mindestens ein Pflichtpraktikum von mindestens 3 Monaten Länge abgeleistet werden soll: Das kommt nämlich im Semesterplan gar nicht vor — im Prüfungsleitfaden heißt es dazu lapidar, das Praktikum könne an beliebiger Stelle im Studium abgeleistet werden, vorzugsweise im Hauptstudium. Ein Urlaubssemester gibt es dazu freilich ebenfalls nicht: es sei ja schließlich in der Studienzeit inbegriffen. Wie das praktisch erreichbar ist, wenn man betrachtet, dass die Karlsruher Klausuren komplett willkürlich quer über die vorlesungsfreie Zeit verteilt sind, sagt keiner.

Im Effekt nehmen die Studenten entweder (wie ich) eine längere Studienzeit in Kauf, oder sie leisten ihre Praktika innerhalb der Vorlesungszeit ab, und lernen schließlich aus dem Buch auf Klausuren, ohne jemals eine Vorlesung des Dozenten besucht zu haben. Beides kann meines Erachtens nicht Teil eines von den Machern gut durchdachten Studienplans sein.

Alles in allem wundern mich die hohen Abbrecherquoten bei den neuen Bachelor-Studiengängen also wenig: Solange man die Studienpläne nicht auf ein Maß kürzt, das realistisch zu bewältigen ist (auch auf die Gefahr hin, dass die Studenten am Schluss nicht mehr vom Bäcker bis zum Jetpiloten von allem eine Ahnung haben), solange bleibt es ein nur halbherziger Versuch, durch die rein formelle Kürzung der Gesamt-Studienzeit die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Studenten zu verbessern. Obwohl diese in meiner Erfahrung beileibe nicht so schlecht ist, wie sie von manchem hierzulande geredet wird.

Dabei wäre natürlich schade, dass ein Stück universitäres Bildungsideal verloren ginge (Universalbildung vs. reine Berufsausbildung), aber einen Ausweg, um das Volumen an Universalwissen doch noch vermitteln zu können, hat der Bologna-Prozess eigentlich schon selbst im Gepäck: Es ist nämlich ein drei-, nicht zweigliedriges System, entgegen der gegenwärtigen Umsetzung in Deutschland: Das angelsächsische Vorbild sieht nach dem Master einen PhD vor, also einen Doktortitel, der im Gegensatz zu seinem deutschen Äquivalent nicht wahlweise quasi-obligatorisch (ich denke an euch, Biologen, Chemiker und Ärzte) oder elitäre Tür zur reinen Forschungs-Karriere ist. Stattdessen wird der PhD dort als Spezialisierung und Zusatzqualifikation verstanden, was auch damit konsistent ist, dass der Amerikanische PhD-Student Vorlesungen besuchen muss, was einem deutschen Doktoranden kaum in den Sinn käme.

Wir dürfen gespannt sein, wie (ob) man in der deutschen Unilandschaft dem Problem begegnet: Die universitären Mühlen mahlen ja bekanntlich langsam, aber vielleicht sind sie ja in diesem Fall für eine Überraschung gut.

Xen: NetBSD VM on a Debian Dom0

It’s been a while since I have blogged geekiness, but this one is really necessary: Today I installed a test box with an instance of the Xen Virtual Machine Monitor, with Debian Lenny as the Domain 0 (or Device Driver VM, as the researchers at my university like to call it).

The reason was that I have to run a piece of legacy software that is in SCO Unix binary format, which is incompatible with the (unaltered) Linux kernel. There is the linux-abi project whose kernel patches bring SCO binary compatibility to Linux, but I always try to avoid rebuilding the kernel because I won’t be able to update it anymore with the distro’s means; instead, I have to rebuild the kernel myself when I want to update, and (much worse), before long I am likely to end up in a situation where I am unable to avoid breaking package dependencies — keeping an up-to-date system should just not be that hard.

Thus the idea was born to run several virtual machines on the same hardware, dedicating one of them to the task of running the legacy software, and another one to running the more up-to-date standard services.

However, this still doesn’t change the fact that I would have to build a special linux-abi patched kernel, and this time even worse: It would also have to be modified for running in a Xen domain. To save myself that pain, I looked for alternatives and found the binary compatibility page in the NetBSD docs, stating that it supports UNIX binaries (including SCO) out of the box (and many more). Furthermore, NetBSD has apparently been supporting running on Xen since quite a while now.

Installing NetBSD into a Xen VM (following the howtos) is supposedly quite easy. I created an LVM volume on the harddrive to put the new system into, set up that partition as well as a current NetBSD ISO image as virtual devices, and pointed the config file to a special NetBSD installer kernel image for Xen that NetBSD provides. Then I tried to start installing the VM. But, ouch, Xen claims: “incompatible kernel”. Hm. Wasn’t that easy after all.

As it turns out, the problem is that current Debian kernels are all compiled with Intel’s physical address extensions (PAE) enabled: In short, common 32bit hardware can only address 2^32 bytes of physical RAM, that’s about 4GB. For modern systems, this can be a little short, so extensions where built to support more than that. Modern Linux distributions support them and they usually don’t harm even if you have less RAM than that; sadly, the stable NetBSD distribution does not support PAE yet, and running two systems on the same physical box that have a different understanding of how to talk to physical memory does not work.

But, lucky as I am, just a few weeks ago, NetBSD/Xen hacker Manuel Bouyer has implemented PAE support for NetBSD to an extent that allows it to run on a Xen system with PAE-enabled dom0. Thanks, Manuel!

The respective installation and regular kernel images can be found among the daily builds on the NetBSD FTP server, and if you use these kernel images instead, you’ll easily be able to get a NetBSD instance up and running without touching the stock Debian kernel.

As expected, NetBSD was able to run the SCO binaries, so far without problems. A few iptables rules on the domain0 will soon be in place to transparently forward requests for this service to the NetBSD VM, so clients will never know that it is not the Linux server itself responding to their request, but a little virtual machine running in the background.