Fachkräftemangel: Selbst verschuldetes Leid
Heute morgen habe ich einen interessanten kleinen Kommentar zum Fachkräftemangel in der deutschen IT-Branche gelesen:
Ein Drittel der IT-Unternehmen kann seine freien Stellen nicht besetzen und ruft durch die Kehlen der Verbände nach der Politik. (…) Das Leid ist selbst verschuldet.
Nach der Dotcom-Blase ließe man “(d)as bisschen Code” “nur noch in Indien produzieren”.
Dass die Unternehmen ihre Hausaufgaben bei der Ressource IT-Mensch weiterhin nicht machen, ist leicht an den Einstiegsgehältern abzulesen.
Trotz der bejammerten Knappheit bekommt ein frischer IT-Hochschulabsolvent weniger Kohle als vor Jahren.
Das erwartete Einstiegs-Branchengehalt lag “2007 mit 42 600 Euro pro Jahr zwar 800 Euro über dem von 2006″. Doch 2004 gab es “mit 43 900 Euro noch deutlich mehr”.
Jan Kleinert, Chefredakteur des deutschen Linux-Magazins, im Editorial der Ausgabe 2/08.
January 11th, 2008 at 2:45 am
Wegen 1.5K Euro mehr oder weniger im Jahr würde ich jetzt nicht unbedingt einen Aufstand machen — Hauptsache ist doch, dass die Arbeit Spaß macht und die Zusammenarbeit mit dem Umfeld (Kollegen, Kunden) gut klappt. Das Gehalt steigt ohnehin mit der Zeit an.
Bezeichnend finde ich da durchaus, dass viele Firmen Stellenanzeigen à la “Uni-Absolvent, bevorzugt promoviert, 10 Jahre Berufserfahrung, mind. 3 Jahre Auslandserfahrung, fließend in Java, C++, Prolog, Smalltalk, Ada95, Lisp, Ruby, Experte in Datenbanken, SAP, SOA, … Alter max. 28 Jahre” veröffentlichen.
Die Erwartungen einiger Arbeitgeber sind maßlos überzogen — und wenn sie dann doch den einen/die eine gefunden haben, der/die obiges Profil erfüllt, dann wollen sie natürlich nicht mehr als 36K Euro p.a. als (angemessenen) Lohn bezahlen.
Weird.
January 11th, 2008 at 2:55 am
Ja das stimmt, weniger schlimm als der absolute Wert ist tatsächlich die Tendenz zu “weniger zahlen, mehr fordern” und dann die völlig überraschte Erkenntnis, dass sich die Absolventen nicht um den Job reißen.
Die Dotcom-Zeit, in der jedem, der einen Computer anschalten konnte, lächerliche Summen gezahlt wurden, ist vorbei und das ist auch gut so. In der Tat sind sich aber viele Firmen nicht sicher was sie wollen, und schreiben daher Anzeigen wie die von dir ausgedachte: Soll alles können, aber nichts kosten. Oder man stellt lieber drei schlechte aber billige Absolventen ein, statt zwei gute — und wundert sich dann über die mangelnde Qualität. Die Unis müssen schuld sein!
Dass sie damit möglichen Bewerbern statt Entzücken nur ein großes Fragezeichen ins Gesicht zaubern, kann ihnen doch nicht unbekannt sein?
February 5th, 2008 at 1:03 am
Der Handelsblatt-Artikel “Die Mär vom Mangel” (passend zum Thema) ist auch sehr interessant.