Verhaltene Spreeblick-Sympathie

Eigentlich mag ich den Spreeblick ja nicht sonderlich. Seit dort die Jamba-Geschichte online war, wanderte er auf vieler Leute RSS-Feed-Liste und Blogroll und alle dachten, hey, das ist die Urform eines deutschen Blogs. Der Betreiber (namens Johnny) fand das toll, machte eine Firma auf und hielt fortan Seminare über das Bloggen im Allgemeinen und im Besonderen. Das selbsternannte Sprachrohr der deutschen Bloggerszene. Schön, wenn man bei den großen Boulevardmagazinen Deutschlands arbeitet und plötzlich die Vielzahl der Blogs im Internet auf ein oder zwei von ihnen trivialisieren kann.

Blogger wie ich waren darüber, hm, nun ja, nicht erbaut: Von den Medien als tolle neue Szene gehyped zu werden, tausende male den schmerzhaften Artikel “der” vor “Blog” zu lesen und zu hören, und dann noch von ein selbsternanntes Sprachrohr zu haben, das zahlungskräftigen Managern erzählt, was man denn so braucht, um auch “so einen Blog” zu haben.

Und doch hat der Spreeblick heute für mich ein bisschen an Sympathie gewonnen. Da “outet” sich Johnny doch öffentlich als Die-Toten-Hosen-Fan, und der Spreeblick wird in Zukunft von den Toten Hosen gesponsert.

Eine nette Aktion haben sie auch schon gestartet: Der Download von 20 Minuten Material aus der aktuellen Toten Hosen-DVD per Bittorrent.

Das ist eine gelungene Aktion, um Fans und solchen die es werden wollen, den Mund wässrig zu machen. Ich denke viele werden danach die DVD kaufen. Die gut 650 MB kommen sogar hier im Pacific Northwest mit gut 400kb/sec durch die Leitung. Das kann sich sehen lassen, Respekt.

Wenn es Aktionen sind wie diese, dann kann ich verstehen, was der Spreeblick in mancher Leute Blog-Liste macht. Aber bitte, bitte, denkt nie wieder, ihr abonniert den Spreeblick und habt gerade den Nabel der deutschen Bloggerwelt entdeckt.

(Danke für den Link, Jean Pierre!)



2 Responses to “Verhaltene Spreeblick-Sympathie”

  1. 1
    johnny Says:

    Aber geh’ mal anders an die Sache ran: Ich habe mich nie selbst als irgendein “Sprachrohr” oder so gesehen. Meistens sind es ja andere, die einem einen Stempel aufdrücken. Und darauf weise ich oft genug in Vorträgen etc. hin. Und letztendlich ist es doch gut, wenn Blogs generell an Popularität gewinnen. Wer sich dann für welche Lieblingsblogs entscheidet, ist den Lesern überlassen. Und wer denkt, ein Blog wäre stellvertretend für alle oder viele, hat es doch eh nicht verstanden.

  2. 2
    fred Says:

    Yup, völlig richtig. Es ist natürlich nicht dein Fehler, wenn Leute das denken (und ich gönn dir die Popularität auch, na klar)!

    Die Masse der Menschen, die einmal Spreeblick gelesen haben und nun denken sie kennen den ganzen deutschen Blog-Raum bringt einen nur manchmal wirklich zum Schaudern. Aber das ist ja nicht anders als die Leute hier (USA, Pacific Northwest), die einmal einem VW Golf über die Haube gekrault haben, und nun denken sie seien Experten für deutsche Autos. ;)

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